Die braune Saat – Neonazismus und Rassismus in der DDR. Ursachen und Folgen

Bis zum Untergang der DDR wurden neonazistische, rassistische und antisemitische Propaganda- und Gewalttaten offiziell als ein Staatsgeheimnis behandelt und über das Ende der DDR hinaus bis in die Gegenwart verleugnet und verdrängt. Etwa 7.000 neonazistische Angriffe bilden numerisch das Hauptgewicht in diesem Spektrum des Grauens, während der Anteil der rassistischen Angriffe bei etwa 725 Vorfällen liegt. Hier sind die Angriffe auf afrikanische, muslimische und kubanische Arbeiter von Bedeutung, da sie das Gros der Opfer darstellen. Der Anteil antisemitischer Angriffe liegt bei etwa 900 und davon sind etwa 145 Schändungen jüdischer Friedhöfe und Gräber.
Ab den 1960er Jahren haben in über 110 Städten und Gemeinden etwa 200 Pogrome bzw. pogromartige Angriffe von Neonazis stattgefunden. Ab den 1970er Jahren gab es über 30 rassistische Angriffe auf Wohnheime von ausländischen Arbeitern, wobei der Anfang ein Wohnheim in Erfurt 1975 war und diese Reihe endete in der DDR im August 1990 als in Trebbin (Bezirk Potsdam) ein Wohnheim für Mosambikaner von etwa 30 Neonazis angegriffen wurde. Die Straftaten haben in etwa 400 Städten und Gemeinden stattgefunden und sie sind ein Ausdruck der in allen Bezirken der DDR aktiven rechten Bewegung, deren organisatorische Zentren über 100 neonazistische Gruppen bildeten.
SED, besonders ihre Führung, nahm die Rechten in der DDR bis Anfang 1988 kaum wahr und sie war dann auch nicht mehr in der Lage entscheidend dagegen vorzugehen. Als ab dem Sommer 1989 Tausende gegen die SED auf Straßen und Plätzen demonstrierten, bildeten dabei die verschiedenen Gruppen der rechten Bewegung ihren, auch gewalttätigen Anteil, am Zusammenbruch der SED-Diktatur. Bei der Wahl am 18. März 1990 zur Volkskammer erzielte die in der „Allianz für Deutschland“ (AfD) zusammengefasste parlamentarische Rechte, mit knapp 50 Prozent die meisten Stimmen und konnte, zusammen mit der SPD und den Liberalen, die Regierung stellen.
Seit der Vereinigung der beiden deutschen Staaten haben nach Angaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) mehrere hunderttausend rechte Propaganda- und Gewaltstraftaten stattgefunden und nach meinen Recherchen gab es in diesem Zeitraum über 370 Tote und tausende Verletzte und der Anteil der Täter stammt überproportional (4:1), d. h. gemessen an der Zahl der Einwohner, aus den neuen Ländern im Osten. Diese Struktur lässt sich ebenfalls in Berlin feststellen, wenn man die Berliner Bezirke im Osten und im Westen vergleicht. Fälschlicherweise wurde behauptet, diese Entwicklung wäre ausschließlich den ökonomischen, sozialen und politischen Verwerfungen seit dem Vereinigungsprozess geschuldet.
Eine Studie der Universität Leipzig zum Autoritarismus in der Bundesrepublik vom Herbst 2018 kommt zu dem besorgniserregenden Ergebnis, dass etwa 40 Prozent der Befragten ihre Bereitschaft erklärten, ein autoritäres System zu unterstützen. Fast jeder Zweite im Osten und knapp jeder Dritte im Westen erklärt explizit, dass Deutschland in gefährlichem Maße „überfremdet“ sei. Die Hälfte der Befragten fühlt sich durch die Anwesenheit von Muslimen „Fremd im eigenen Land“.
In beiden deutschen Staaten gab es Neonazismus, Rassismus und Antisemitismus, die die historischen Voraussetzungen dafür sind, dass es zu den brandgefährlichen gesellschaftspolitischen Verhältnissen der Gegenwart kommen konnte.

Beginn am 12.06.19 um 19 Uhr, Tresen ab 18:30 Uhr
Ort: soziales Zentrum, Josephstrasse 2, Bochum

Anschliessend wie immer veganes Essen gegen Spende

Das Antifa Café im Mai: Vortrag der Quartiersdemokraten aus Dorstfeld

Da müsste viel mehr ein Zeichen gesetzt werden, dass man so etwas nicht haben will“ – Perspektiven auf Engagement gegen Rechtsextremismus in Dortmund-Dorstfeld

Der Dortmunder Stadtteil Dorstfeld gilt als eine Hochburg des organisierten Rechtsextremismus. Nicht zu Unrecht: Schon seit Jahren haben sich dort Neonazis niedergelassen, beanspruchen Straßenzüge für sich und versuchen mittels einer Strategie des Raumkampfes die Deutungshoheit über den Stadtteil zu erlangen. Doch auch wenn sich rechtsextreme Strukturen hier verfestigt haben, so ist Dorstfeld in der Realität kein ‚Nazi-Kiez‘, wie die Neonazis immer wieder behaupten. Denn auf der anderen Seite existieren auch unterschiedliche Aktivitäten gegen Rechtsextremismus im Stadtteil.

Das Projekt Quartiersdemokratenist für die Unterstützung der Zivilgesellschaft in der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus in Dorstfeld zuständig. Im letzten Jahr hat das Projekt eine Sozialraumanalyse veröffentlicht, in der die gegenwärtige Situation in Dorstfeld analysiert wurde und auf Grundlage von qualitativen Interviews zivilgesellschaftliche Problem- und Handlungsfelder identifiziert wurden.

In dem Vortrag werden Mitarbeitende des Projekts Quartiersdemokraten‘ über die derzeitigen Entwicklungen des Rechtsextremismus in Dorstfeld informieren und die wesentlichen Ergebnisse der Sozialraumanalyse vorstellen. Dabei werden unterschiedliche Fragen zur Möglichkeit der Intervention in Dorstfeld aufgeworfen, die mit dem Publikum diskutiert werden können.

Beginn am 27.02.19 um 19 Uhr, Tresen ab 18:30 Uhr

Ort: soziales Zentrum, Josephstrasse 2, Bochum

Anschliessend wie immer veganes Essen gegen Spende

Das Antifa Café im Mai: Wir feiern den Tag der Befreiung, feiert mit uns!

Vor 74 Jahren wurde die „bedingungslose Kapitulation“ aller deutschen Streitkräfte vereinbart, was das Ende der Kampfhandlungen und damit des 2. Weltkriegs bedeutete. Der 8. Mai gilt daher auch als Tag der Befreiung vom mörderischen nationalsozialistischen Regime.

Deshalb wolle wir auch dieses Jahr wieder mit Euch feiern.

Denn:

Wer nicht feiert, hat verloren!

Wir wollen aber in diesem Jahr auch den Mut und die Entschlossenheit der WiderstandskämpferInnen und PartisanInnen gedenken. Daher möchten wir Euch vorher zum traditionellen Rundgang des VVN-BdA und Bochum gegen Rechts und VertreterInnen des „Klub Stern“ der Jüdischen Gemeinde Bochum-Hattingen auf dem Friedhof am Freigrafendamm einladen, der dieses Jahr im Zeichen der WiderstandskämpferInnen steht. Dabei besuchen wir die Gräberfelder der russischen Kriegsgefangenen, der ZwangsarbeiterInnen und das Ehrengräberfeld der WiderstandskämpferInnen.

Beginn Rundgang Freigrafendamm / Friedhof Bochum 08.05.19, 17:30 Uhr

Beginn des offenen Antifa-Café mit der diesjährigen Befreiungsfeier: 19:00 Uhr
Soziales Zentrum, Josephstrasse 2 Bochum

Bei schönem Wetter werden wir grillen, Salate, Kohle und Brot besorgen wir, vegane Grillsachen kann dann jede / jeder mitbringen. Bei schlechtem Wetter gibt es vegane Küfa gegen Spende.